Programm der Systemischen Tagung 2027
Wir freuen uns, euch das Programm für unsere diesjährige Tagung präsentieren zu können. Es erwartet euch eine fundierte Mischung aus Fachvorträgen und praxisnahen Impulsen rund um die Themen Neurodiversität, Systemische Beratung, Hochbegabung und Konfliktmanagement. Im Folgenden findet ihr alle Details zu den Inhalten sowie weiterführende Informationen zu unseren Speakerinnen und Speakern.
Ein fachlich tiefgehendes Programm lebt von der Expertise der Menschen, die es gestalten. An dieser Stelle möchten wir uns daher ausdrücklich bei allen Referentinnen und Referenten bedanken. Dieses Engagement und die Bereitschaft, aktuelles Fachwissen und bewährte Praxiskonzepte mit uns zu teilen, bilden das inhaltliche Fundament dieser Tagung.
- Vielfalt im System: Warum wir Zukunft, Menschen und Unterschiede neu wahrnehmen müssen
- Handlungsspielräume bei Mobbing und Beratungsstrategien
- Können macht Spaß: ein Therapie- und Beratungskonzept für Hoch- und Höchstbegabung
- Therapeutische Innenweltbesuche: AD(H)S, Autismusspektrum, Hochbegabung, Hochsensibilität
- Neurodivergenz Autismus - „Wie anders bist Du?“ - Einladung zu einem Perspektivwechsel
- MiniMax der Traumatherapie – einfache Interventionen für komplexe Nervensysteme
- Die Kraft der feinen Sinne – Hochsensibilität verstehen
- Neurodivergenz als Stärke – Vielfalt verstehen, Potenziale entfalten, Verbündete werden
- Zwei Hirne auf der Bühne — Neurodivergenz zwischen Wissenschaft und Alltag
Vielfalt im System: Warum wir Zukunft, Menschen und Unterschiede neu wahrnehmen müssen
Neurodivergenz lädt uns ein, Vielfalt nicht nur als sichtbare Unterschiedlichkeit zu verstehen, sondern auch als Vielfalt von Wahrnehmung, Denken, Kommunikation, Lernen und Erleben. In der Eröffnung führt Pivi Scamperle in zentrale Begriffe wie Diversity, Inclusion, Belonging und Equity ein und verbindet sie mit einer systemischen Perspektive auf Teilhabe und Zugehörigkeit.
Eine kurze Übung zu unbewussten Vorurteilen sensibilisiert dafür, wie schnell wir Verhalten deuten und bewerten. Die Eröffnung schafft damit einen gemeinsamen Denk- und Wahrnehmungsraum für die Tagung und lädt dazu ein, den kommenden Impulsen offen, neugierig und achtsam zu begegnen.
Mehr über Pivi Scamperle
Pivi Scamperle ist systemisch-narrative Organisationsentwicklerin, Diversity-Expertin und Initiatorin von #DiversityStoriesThatMatter.
Sie entwickelt Lern- und Dialogformate wie die Praxisbox Diversity und ist Autorin des ausgezeichneten Praxishandbuchs „Vielfalt – Geschichten, die bewegen“.
In ihrer Arbeit verbindet sie Diversity, Storytelling und systemische Organisationsentwicklung, um Räume für Zugehörigkeit, Perspektivwechsel und wirksame Veränderung zu schaffen.
Handlungsspielräume bei Mobbing und Beratungsstrategien
Mobbing erschüttert oft nicht nur den beruflichen oder privaten Alltag, sondern auch den Selbstwert und die eigene Handlungsfähigkeit. Der Vortrag zeigt zentrale Handlungsspielräume von Mobbingbetroffenen auf und ordnet das Thema klar im Unterschied zu Konflikten ein. Im Fokus stehen fünf wesentliche Aspekte wirksamer Intervention aus der Sicht der Betroffenen, die Orientierung und Sicherheit im Umgang mit Mobbing geben.
Ergänzend werden die zentralen Phasen der Mobbingberatung veranschaulicht. Dabei wird auch darauf eingegangen, wie sich anhaltende Mobbingerfahrungen auf neuronale Stressverarbeitungsprozesse auswirken können und weshalb stabilisierende sowie ressourcenorientierte Zugänge für die Wiedergewinnung von Sicherheit und Handlungsspielräumen bedeutsam sind.
Mehr über Prof. Dr. Dr. Christa Kolodej
Prof. Dr. Dr. Christa Kolodej, MA hat Psychologie und Soziologie studiert und ist u.a. eingetragene Mediatorin (ZivMediatG), Systemische Beraterin und Therapeutin (SySt).
Christa Kolodej ist Professorin und lehrt u.a. an der Karl-Franzens-Universität Graz, Psychologisches Institut. Sie ist Pionierin der österreichischen Mobbingforschung und leitet seit mehr als zwei Jahrzehnten das Zentrum für Konflikt- und Mobbingberatung in Wien. Sie hat zahlreiche Fachbücher zum Thema veröffentlicht.
Können macht Spaß: ein Therapie- und Beratungskonzept für Hoch- und Höchstbegabung
Hochbegabte Menschen befinden sich per Definition außerhalb der Norm und werden zunehmend im Kontext von Neurodiversität verstanden. Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus der Praxis, dass sie im medizinischen und psychologischen Versorgungssystem überdurchschnittlich häufig fehldiagnostiziert werden – ein Problem, vor dem auch die American Psychiatric Association (Herausgeberin des DSM) ausdrücklich warnt.
Im Vortrag werden häufig auftretende Merkmale, Ressourcen und Herausforderungen hochbegabter Menschen differenziert und nachvollziehbar dargestellt. Es wird ein praxisnahes Tool zur Verfügung gestellt, mit dem ein individuelles Hochbegabtenprofil erstellt werden kann. Darauf aufbauend wird ein praxiserprobtes Therapie- und Beratungskonzepts dargeboten.
Mehr über Frauke Niehues
Frauke Niehues ist approbierte Psychotherapeutin in eigener Praxis und in der Personal- und Organisationsentwicklung tätig.
Sie ist Dozentin an Universitäten, leitet gemeinsam mit Manfred Prior ein Fortbildungsinstitut, ist Herausgeberin der Reihe „Kompetenz! Box“ im Junfermannverlag und führt ein Portal für Hoch- und Höchstbegabung.
Darüber hinaus ist sie Gründerin des Spenden- und Gemeinschaftsprojekts „Methodenschatz“, in dem renommierte Kolleg:innen kostenfrei Methoden und Vorträge zur Verfügung stellen und soziale Projekte unterstützen. Einen Überblick über ihre Angebote findet man unter www.frauke-niehues.net.
Therapeutische Innenweltbesuche: AD(H)S, Autismusspektrum, Hochbegabung, Hochsensibilität
In seinem Vortrag zeigt Stefan Hammel Lieblingsinterventionen für Kinder mit regem Innenleben und weniger Aufmerksamkeit dort, wo die Eltern und Lehrer sie gerne hätten (Aufmerksamkeit-Woanders-Syndrom). Dabei geht es auch darum, wie wir respektvoll und ressourcenorientiert mit den betroffenen Kindern und ihren Eltern umgehen können und dem Eindruck entgegentreten, ihre Persönlichkeit sei pathologisch.
Praktisch veranschaulicht werden therapeutische Ansätze zum Training von diagnosebezogen typischen Anliegen wie Konzentration, Klassenmitarbeit, Erfüllen schriftlicher Leistungsanforderungen, Aggressionsregulation, Ängstlichkeit, Selbstabwertung, Mobbingerfahrungen, Langeweile und Unterforderung.
Mehr über Dr. Stefan Hammel
Dr. phil. Stefan Hammel ist systemischer Familientherapeut, Hypnotherapeut nach Milton Erickson, evangelischer Klinikseelsorger und Organisator des jährlichen internationalen Festivals des Therapeutischen Erzählens (www.erzaehl-festival.de).
Er ist Leiter des Instituts für Hypnosystemische Beratung in Kaiserslautern und hält international Seminare zu therapeutischem Erzählen, Therapeutischem Modellieren, Hypnose, Utilisation, Arbeit mit Implikationen, Erickson’scher Therapie und Hypnosystemischer Beratung. Er ist Autor zahlreicher therapeutischer Fachbücher. Aktuelle Informationen zu seiner Arbeit findet ihr unter www.stefanhammel.de und www.hsb-westpfalz.de.
Neurodivergenz Autismus - „Wie anders bist Du?“ - Einladung zu einem Perspektivwechsel
Den Fokus auf das individuelle Erleben und Handeln von Menschen mit der Diagnose „Autismus“ zu setzen, macht die gemeinsame therapeutische Prozessgestaltung zu einer spannenden Erfahrung und eröffnet neue Perspektiven. In Vorbereitung auf diesen Vortrag hat Nicole Roßbach ihre erwachsenen Klient*innen gefragt, was sie gerne über ihre autistische Wahrnehmungsverarbeitung und Lösungsfindung mit nicht Autismus erfahrenen Personen teilen möchten.
Gemeinsam war den Rückmeldungen, dass es den Klient*innen ein gutes Gefühl gibt, gesehen zu werden, mit dem was Autismus und das Leben für sie bedeutet, sowohl Schönes als auch Schwieriges. Anhand von Beispielen soll der Vortrag zu einem Perspektivwechsel und mehr Verständnis für autistische Neurodivergenz anregen.
Mehr über Nicole Roßbach
Nicole Roßbach ist Diplom-Pädagogin, Psychotherapeutin (HP), Autismus-Therapeutin, systemische Therapeutin und Supervisorin, integrative Traumatherapeutin und Hypnotherapeutin.
Seit fast 30 Jahren begleitet sie Menschen aller Altersgruppen und aus einem breiten autistischen Spektrum. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass „Autismus“ ein individuelles Erscheinungsbild beschreibt, basierend auf gemeinsamen Grundlagen. Das macht die Prozessgestaltung mit autistischen Klient*innen für sie zu einer großen Bereicherung und eröffnet ihr immer wieder neue Perspektiven.
MiniMax der Traumatherapie – einfache Interventionen für komplexe Nervensysteme
Als Supervisorin und langjährige Traumatherapeutin habe ich immer wieder erlebt, wie das Vermittlung von Grundlagen, einfachen Interventionen und einer hilfreichen inneren Haltung wunderbare therapeutische Entwicklungen ermöglichen kann – bei Anfänger:innen ebenso wie bei erfahrenen Kolleg:innen Ich möchte Sie daher ermutigen und Ihnen mehr Sicherheit im Umgang mit komplex traumatisierten Menschen vermitteln. Denn die Arbeit mit traumatisierten Menschen kann bereichernd sein und Sinn geben. Im Mittelpunkt stehen kleine, wirkungsvolle Methoden aus meinem Erfahrungsschatz: Psychoedukation, Fallbeispiele, Erste-Hilfe-Tools und Lieblingsinterventionen – fachlich fundiert, praxisnah und mit Humor.
Mehr über Patricia Appel
Patricia Appel ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit Ausbildung in Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Hypnotherapie und Enaktiver Traumatherapie. Bis 2024 war sie Chefärztin einer großen psychosomatischen Klinik im Allgäu, heute arbeitet sie in eigener Praxis in München. Lebensfreude, Humor, Weite und Kreativität prägen sowohl ihr Leben als auch ihre therapeutische Arbeit. Daher gehören ihre künstlerische Tätigkeit als Sängerin und Moderatorin ebenso zu ihrem beruflichen Werdegang wie ihre Tätigkeit als Therapeutin, Coach, Supervisorin, Dozentin und Trainerin.
Die Kraft der feinen Sinne – Hochsensibilität verstehen
Wie zeigt sich Hochsensibilität im Alltag – bei Kindern und Erwachsenen? Und wie kann aus einer vermeintlichen Schwäche eine echte Stärke werden? In ihrem gemeinsamen Vortrag verbinden Pauline Marie Süß und Jessica Reppahn persönliche Erfahrungen mit fachlicher Expertise und zeigen einfühlsam, wie Hochsensibilität verstanden, begleitet und wertgeschätzt werden kann.
Ein inspirierender Vortrag über feine Wahrnehmung, innere Stärke und die Kraft, sich selbst wirklich anzunehmen.
Mehr über Jessica Reppahn & Pauline Marie Süß
Pauline Marie Süß ist ganzheitliche Coachin für Hochsensibilität, Practitioner in Positiver Psychologie und NLP Master. Sie begleitet Menschen dabei, ihre Sensibilität als Ressource zu entdecken und ihr Potenzial zu entfalten.
Jessica Reppahn ist Pädagogin, systemische Kinder- und Jugendcoachin und NLP-Trainerin. In ihrer Praxis arbeitet sie mit hochsensiblen Kindern und Familien und setzt sich mit Leidenschaft dafür ein, Kinder und Eltern zu stärken.
Neurodivergenz als Stärke – Vielfalt verstehen, Potenziale entfalten, Verbündete werden
Neurodivergenz prägt die Vielfalt menschlichen Denkens, Lernens und Arbeitens. In diesem Slot zeigen Jennifer Frank-Schagerl und Timothy Tasch, dass Vielfalt der größte gemeinsame Nenner ist und wie Umfelder entstehen, in denen Menschen ihr Potenzial entfalten können. Dabei geht es auch um die Rolle von Führungskräften, Kolleg:innen, Trainer:innen und Coaches. Wie werden wir durch Allyship zu echten Verbündeten, bauen Barrieren ab und fördern eine Kultur, in der Unterschiedlichkeit wertgeschätzt wird? Ein interaktiver Impuls über Neurodivergenz, Chancen, Inklusion und die Kraft vielfältiger Perspektiven.
Mehr über Jennifer Frank-Schagerl & Timothy Tasch
Jennifer Frank-Schagerl ist 5fache Preisträgerin des europäischen Trainingspreises, Trainerin, Coach und Autorin und davon überzeugt, dass man in Trainings ALLE auf die Lernreise mitnehmen kann. Mit ihren immer lebendigen und interaktiven Impulsen begeistert sie ihr Publikum. Jennifer ist Präsidentin a.D des Berufsverbandes für Training, Beratung und Coaching (BDVT) und Leiterin des Aus- und Weiterbildungsinstitut NEVEREST Lifelong Learning.
Timothy Tasch ist Trainer, Berater und Speaker für inklusive Führung, Kommunikation, Vielfalt und Allyship. Diese Themen begleiten ihn seit über 20 Jahren – erst als HR-Manager, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politik, heute als Freiberufler und Dozent an mehreren Hochschulen (unter anderem die TH Köln und Hochschule Rhine-Waal in Kleve). Sein Zugang: Menschen in Verantwortung und Handeln zu bringen, ohne moralischen Zeigefinger und Schuldgefühle.
Zwei Hirne auf der Bühne — Neurodivergenz zwischen Wissenschaft und Alltag
Zwei Männer mit unterschiedlichen Denk- und Wahrnehmungsstilen betrachten das Thema ADHS mit augenzwinkernder Neugier – und nehmen das Publikum mit auf diese Reise. Franz Sperlich und Franz Hütter verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Praxis und persönlichen Einblicken: Was passiert im Gehirn – und wie zeigt sich das im Alltag?
Der Vortrag öffnet drei Türen. Die erste führt ins Gehirn: Was Genetik, Hirnforschung und Pharmakologie heute über ADHS und verwandte Formen neurodivergenter Informationsverarbeitung wissen – verständlich erklärt und für die Begleitung Betroffener nutzbar. Die zweite führt in die Lebensführung: Ernährung, Mikronährstoffe, Schlaf, Bewegung – alles, was den Alltag tragfähiger machen kann. Die dritte führt ins Coaching und Selbstcoaching: Wie sich Aufmerksamkeit gestalten lässt, wenn sie ihren eigenen Rhythmus hat.
Sperlich und Hütter teilen abwechselnd Beobachtungen, Erfahrungen und praktische Hacks – was sich bewährt hat, was sie wieder verworfen haben und worüber sie selbst schmunzeln können. Eine Einladung an alle, die mit ADHS leben, neurodivergente Menschen begleiten oder die Vielfalt menschlicher Denk- und Wahrnehmungsweisen besser verstehen möchten.
Mehr über Franz Sperlich & Franz Hütter
Dr. med. Franz Sperlich ist Arzt, Speaker und Consultant. Unter dem Motto LifeChangingScience überträgt er Erkenntnisse aus Medizin, Longevity-Forschung und Stressphysiologie in den Alltag — über Keynotes, Seminare, eine Privatpraxis in Lilienthal, eigene Bücher sowie Podcast und YouTube-Kanal.
Dr. rer. medic. Franz Hütter, M.A. ist Geistes- und Naturwissenschaftler, promoviert über genetische Determinanten der Empathiefähigkeit an der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Er leitet BRAIN-HR und den NET OF BRAINS Thinktank, ist Co-Autor von „Neurodidaktik für Trainer“ und Anbieter der TÜV-zertifizierten Scientific Trainer Ausbildung.